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Kaiserslautern im 19. Jahrhundert
1. Kaiserslautern wird bayerisch
Die Angliederung an Bayern erfolgte am 1. Mai 1816 nach der Besiegung Napoleons. In Anwesenheit des bayerischen Königs Maximilian wurde die Trikolore durch die bayerische Fahne ersetzt.
In der Zeit Napoleons zog eine französische Försterfamilie mit Namen Denis nach Mainz. Der Sohn Paul blieb auch nach Abzug der Franzosen im Land und wurde ein bayerischer Beamter. Er lebte mehrere Jahre auch in Kaiserslautern und entwarf z.B. die Pläne für die Schulhäuser in Alsenborn und Erfenbach. Auch an den Plänen für das „Centralgefängnis“ arbeitete er mit. Das Gefängnis, das rund 500 Häftlinge aufnehmen sollte, wurde dort errichtet, wo die Ruine des 1794 ausgebrannten Casimirschlosses und die Reste von Barbarossas Kaiserpalast standen.
1818 wurde in Kaiserslautern ein Lehrerseminar auf dem Rittersberg gegründet, das der Ausbildung von Volksschullehrern des gesamten bayerischen Rheinkreises dienen sollte.
Übrigens, erst ab 1838 hieß das linksrheinische Gebiet dann „Pfalz“.
Mit den offenen Stadtgrenzen siedelten sich die Einwohner auch außerhalb der ehemaligen Stadtmauern an. Es entstanden neue Straßen und Wohnviertel. Ein wirtschaftlicher und technischer Aufschwung setzte ein.
1836 Gründung der „Spar- und Hilfskasse“ (heute Stadtsparkasse) 1843 Grundsteinlegung für die Fruchthalle
2. Kaiserslautern wird Industriestadt und Eisenbahnknotenpunkt
Die wichtigste technische Entwicklung war jedoch die Eisenbahn. In jener Zeit gelang es nämlich einem Engländer eine Dampfmaschine zu bauen, die mehrere Wagen auf einer eisernen Schienenbahn ziehen konnte. Paul Denis erhielt den Auftrag, zwischen den bayerischen Städten Nürnberg und Fürth eine 5 km lange Eisenbahnstrecke zu bauen. Die Waggons sahen noch aus wie Postkutschen auf Schienen und waren zum Teil ohne Dach. Die aus England geholte Dampflokomotive bewältigte etwa 35 km in der Stunde. Kluge Leute behaupteten, dass diese „schnelle Fahrt“ zu allerlei Gehirnkrankheiten führen müssten.
Im Jahre 1835 erfolgte die Eröffnung dieser 1. deutschen Eisenbahn, der Ludwigsbahn. Sehr schnell dachte man daran, auch bei uns eine Eisenbahn zu bauen, denn mit so einer Bahn wäre der Transport der saarländischen Steinkohle an den Rhein viel einfacher.
Wieder beauftrage man Denis mit dem Bau. Er legte die Bahn von Osten nach Westen mitten durch die Pfalz. Das ebene Land von Bexbach bei Homburg bis Kaiserslautern machte keine Schwierigkeiten, und im Jahre 1848 war diese Strecke befahrbar. Aber zwischen Kaiserslautern und Neustadt behinderten Berge und ein enges Tal die Verlegung der Schienen. Es mussten 473 Brücken gebaut und 12 Tunnels aus dem Fels gesprengt werden. Mit 1347 m ist der Heiligenbergtunnel an der östlichen Gemarkungsgrenze der längste.
Endlich, im Jahre 1849 war die 1. pfälzische Eisenbahn bis zum Rhein fertig. Sie erhielt ebenfalls den Namen des bayerischen Königs: Ludwigsbahn. An ihrem östlichen Endpunkt entstand der kleine Ort Ludwigshafen, der auch durch die Ansiedlung der BASF sehr schnell zur Großstadt wurde.
Paul Denis plante im Laufe seines Lebens 1000 km Eisenbahn. Die Denisstraße im westlichen Gewerbegebiet erinnert an ihn.
Später ging der Bahnbau weiter. Die Nordbahn stellte die Verbindung mit den Städten Kreuznach und Worms her, die Lautertalbahn mit den Städtchen Lauterecken und die Biebermühlbahn mit Hohenecken (!) und den Städten Pirmasens und Zweibrücken.
Die neue Eisenbahn wurde nicht von allen begrüßt. So beklagte sich Bürgermeister Weber, dass der Bahnhof zu weit weg von der Stadt läge (1 km). Auch dass der Frachtverkehr mit Fuhrwerken zum Erliegen gekommen sei und Spediteure und Gastwirte nun ohne Verdienst wären, erschien ihm bedenklich. Aber bald wirkte sich der Bahnanschluss, besonders wegen der Verbindung zum Rheinhafen, segensreich für die Stadt aus, denn er war Grundlage für einen raschen Industrieaufstieg durch zahlreiche Firmengründungen:
1843 Maschinenfabrik Pfeiffer
1857 Kammgarnspinnerei
1858 Gasanstalt
1862 Nähmaschinenfabrik Pfaff
1864 Eisenwerke
1880 Guss- und Armaturenwerk
Im Umland standen genügend billige Arbeitskräfte zur Verfügung. Viele von ihnen waren arbeitslose Erzgräber: Etwa um 1775 entstand die älteste Stadtrandsiedlung Erzhütten. Die Bewohner gruben nach Erz und wohnten in einfachen Fachwerkhäusern, „Hütten“ genannt.
Das Erz (eisenhaltige Steine) wurde im Tagebau über der Erde, aber auch in Stollen und Gruben unter der Erde gewonnen. Auf Fuhrwerken wurden die Eisensteine ins Karlstal zur alten Schmelz gefahren. Das Eisen wurde durch Schmelzen aus den Eisensteinen gewonnen. In den Hammerwerken - die durch Wasserkraft betrieben wurden - hämmerte man daraus Blech (Blechhammer). Ab 1840 fand man nur noch geringen Eisengehalt in den Steinen. Die Bergleute wurden arbeitslos.
Jetzt schürten sie in den Fabriken das Feuer unter den großen Öfen, bedienten die modernen Dampfmaschinen, schmolzen Eisen und gossen Rohre, Schienen, Räder und Maschinen. Mit der wachsenden Industrie stiegen auch die Einwohnerzahlen:
Kaiserslautern im 20. Jahrhundert Zerstörung und Wiederaufbau
Im 1. Weltkrieg (1914 - 1918) und vor allem im 2. Weltkrieg (1939 - 1945) erlebten die Einwohner viele Bombenangriffe auf die Stadt. Mehrere Großangriffe zerstörten über 60% der Stadt. Von 19 000 Wohnungen blieben 9 000 übrig. Die Einwohnerzahl sank von 63 000 (1939) auf 38 000 (1945). Zuerst besetzten die Amerikaner die Stadt, dann kamen (wie so oft schon in der Geschichte unserer Heimatstadt) die Franzosen.
Die Stadt war zerstört, viele Flüchtlinge kamen, die Menschen „hausten“ in Kellern, in Schuppen und Ruinen. Sie hungerten und „hamsterten“. Erst langsam kam der Wiederaufbau in Schwung:
1950 Bännjerrück und US-Siedlung Vogelweh 1952 Wiederaufbau des Kotten 1953 Pfeifertälchen und Pfaffenberg werden gebaut 1954 Grübentälchen wird gebaut 1959 Im Dunkeltälchen wird gebaut 1967 Stadtteil Betzenberg wird gebaut 1969 Kaiserslautern wird Großstadt
(d.h. es wohnen mehr als 100 000 Menschen hier) durch die Eingemeindung umliegender Gemeinden: Dansenberg - Mölschbach - Morlautern - Erlenbach - Siegelbach - Erfenbach - Hohenecken.
1968 Fertigstellung des Rathauses 1970 Gründung der Universität 1972 Stadtteil Fischerrück wird gebaut 1977 Universitätswohnstadt 1995 Laut INTERNET wohnen knapp 105 000 Menschen in Kaiserslautern 2000 Kaiserslautern ist keine Großstadt mehr, denn es wohnen nur noch knapp 100 000 Einwohner hier!
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